Leserfrage: Schwellenländer, wie kann ich ethisch anlegen?

Sri Em Etf
Leser Z. fragt:
Ich habe schon einen ETF auf den MSCI World und wollte nun einen zweiten auf den MSCI EM kaufen. Dabei ist es mir wichtig, dass es ein nachhaltiger ETF ist. Ich habe die verfügbaren ETFs begutachtet und bin bei den folgenden beiden zur Auswahl gelandet:

  1. UBS ETF (LU) MSCI Emerging Markets Socially Responsible, WKN A110QD, Details auf der Anbieter-Site
  2. iShares MSCI EM SRI, WKN A2AFCZ, Details auf der Anbieter-Site

Allerdings kann ich nicht so richtig einschätzen, welcher von beiden besser ist und ob überhaupt einer von beiden für gut befunden werden kann. Haben Sie eine Idee?

Der Finanzwesir antwortet

Bei ETFs gilt: Der ETF ist nur das ausführende Organ; entscheidend ist der Index. Bei den klassischen Brot&Butter-ETFs ist es einfach. Fünf verschiedene ETFs auf den MSCI World bedeutet: Fünf Mal derselbe Index. Identisch. Bei den ESG-Indizes (Environment, Social, Governance), oder auf deutsch: ethisch, sozial und grün ist das nicht so. Zwei ETFs bedeutet in den meisten Fällen: Zwei verschiedene Indizes, so auch hier.

  • Der Index des UBS-ETFs: MSCI Emerging Markets SRI 5% Capped Index (Factsheet)
  • Der Index des iShares-ETFs: MSCI Emerging Markets SRI Select Reduced Fossil Fuels (Factsheet)
  • Und als Benchmark das Factsheet des MSCI EM

Die erste Hürde: Das passende Factsheet finden. Es gibt die Dinger in vier Varianten.

  • Währung: US-Dollar oder Euro
  • Rendite: gross oder net returns
    • gross = Kurssteigerungen und Ausschüttungen
    • net = Kurssteigerungen plus Ausschüttungen abzüglich Quellensteuern

Für deutsche Anleger ist net in Euro die beste Variante. Ich arbeite hier mit gross in US-Dollar.
Warum?
Weil ich für den „SRI red. Fossil“ nur gross und USD gefunden habe. Für den „SRI 5% capped“ gibt es wenigstens noch die die net-Variante, aber in Euro gibt’s die auch nicht.
Das es hier nur um einen Vergleich geht, stört das nicht weiter. Hauptsache, alle drei Indizes nutzen das gleiche Koordinatensystem.

Schwellenland-Indizes – vergleichen wir Äpfel mit Birnen?

Basiskennzahlen

Index Firmenzahl Marktabdeckung am Start seit
EM classic 1.386 Firmen 85 % 30. Juni 1988
SRI 5% capped 191 Firmen 21 % 12. Mai 2016
SRI red. Fossil 178 Firmen 21 % 4. Oktober 2019

MSCI SRI Indexes Methodology vom August 2020

„Overall the MSCI SRI Indexes target coverage of 25% of the underlying MSCI parent index.

  • Normaler Index: Deckt rund 85 % der Marktkapitalisierung der Aktien ab, die sich im Streubesitz befinden.
  • SRI: Rund 25 % des Brot&Butter-Index’, also nur noch rund 21 % Marktabdeckung. Knapp 80 % der Schwellenland-Marktkapitalisierung fallen durchs Raster.
  • Rund 90 % aller Firmen qualifizieren sich nicht.

Die Ländergewichtung

Emerging Marktes Sri Ländergewichtung

  • China ist für den Schwellenland-Index das, was die USA für den MSCI World sind
  • Bei Taiwan, Südkorea und Indien unterscheiden sich die drei Indizes nur marginal
  • Südafrika scheint ein sehr nachhaltiges Land zu sein. Im Standard-EM verschwindet Südafrika unter „Andere“, während es in den beiden SRI-Varianten sogar eine höhere Gewichtung als Indien hat. Dabei ist Indien deutlich wirtschaftskräftiger als Südafrika (alle Zahlen von 2019)
    • Indien: BIP 2,87 Billionen US-Dollar, 1,3 Milliarden Einwohner, Pro-Kopf-BIP: rund 2.200 US-Dollar
    • Südafrika: BIP 351 Millionen US-Dollar, 59 Millionen Einwohner, Pro-Kopf-BIP: rund 6 US-Dollar
    • zum Vergleich: Deutschland, BIP 3,45 Billionen US-Dollar, 83 Millionen Einwohner, Pro-Kopf-BIP: rund 41.500 US-Dollar
  • Brasilien ist nicht so wirklich sozial verantwortlich. BIP: 1,84 Billionen US-Dollar, 210 Millionen Einwohner, Pro-Kopf-BIP: rund 8.800 US-Dollar
Zwischenfazit
  1. Bedeutet „Nachhaltig“ vielleicht: Sind zu arm, um die Umwelt nachhaltig zu verschmutzen? Mit einem jährlichen Pro-Kopf-BIP von 6 Dollar kann man keine großen Sprünge machen. Da führt man gezwungenermaßen ein naturnahes Leben. Und wenn alle einfach nur arm sind, gibt’s auch keine großen sozialen Unterschiede.
  2. Die SRI-Indizes sind breiter aufgestellt, als der Brot&Butter-EM. Ihr Chinaanteil ist nur halb so groß, wie der des klassischen EM-Index.

Die Sektorgewichtung

Emerging Marktes Sri Sektorgewichtung

  • Wer hätte das gedacht: Im SRI red. Fossil ist Energy nur in einer homöopathischen Dosis vorhanden. Soweit so vorhersehbar
  • Aber, hätten Sie vermutet, dass SRI = socially responsible = sozial verantwortlich hervorragend mit dem Finanzsektor harmoniert? Als lebenserfahrener Berufszyniker und Veteran der Krise von 2008 wiege ich da skeptisch mein Haupt.
  • IT scheint ebenfalls mega-unethisch zu sein. Die beiden SRIs kommen mit weniger als fünf Prozent aus. Beim klassische EM-Index ist die IT mit 18,42 % die Nummer zwei im Ranking.

Die beiden SRIs sind extremer als der Brot&Butter-EM.

Kennzahlen Brot&Butter-EM SRI 5 % capped SRI red. Fossil
Größte Position 20,89 % 27,79 % 30,50 %
Kleinste Position 1,9 % 1,19 % 0,73 %
Faktor größte / kleinste Position 11 23 42 %
Anteil Top 3 56 % 62 % 63 %
Top 3 Positionen 1. Consumer Discretionary
2. Information Technology
3. Financials
1. Financials
2. Consumer Discretionary
3. Consumer Staples
1. Financials
2. Consumer Discretionary
3. Communication Services
Low 3 Positionen 1. Utilities
2. Real Estate
3. Health Care
1. Real Estate
2. Utilities
3. Energy
1. Energy
2. Utilities
3. Real Estate

Übersetzungshilfe: Was bedeuten die englischen Sektorbezeichnungen auf Deutsch? Wikipedia hilft

Nach dem Ländervergleich sah es so aus, als ob die SRIs breiter diversifiziert wären. Jetzt stellen wir fest: In Bezug auf die Sektoren sind die Sozial Verantwortlichen deutlich konzentrierter. Kein Wunder, schließlich ist der Pool der zur Verfügung stehenden Firmen um knapp 90 % geschrumpft.

Was ist drin? – Die Top 10

  EM SRI 5% capped SRI red. Fossil
Anteil Top 10 30,81 % 33,72 % 35,53 %
Anteil Top 20 35,58 % 47,08 % 47,03 %
Zahl der Firmen,
bis Hälfte der Marktkap. erreicht
58 23 23
in % 4,18 % 12,04 % 12,92 %

Die Analyse zeigt: Der Brot&Butter-EM ist konzentrierter. Nur vier Prozent der Firmen vereinigen die Hälfte der gesamten Marktkapitalisierung des Index auf sich.
Unfug! Die SRI-Indizes sind konzentrierter. Die Firmen der Top 20 stellen ja schon fast die Hälfte der Marktkapitalisierung. Beim klassischen Schwellenland-Index ist es gerade mal ein gutes Drittel.
Der Finanzwesir sagt: Beide haben recht. Was ich hier zeigen will: Die SRIs sind nicht einfach nur abgespeckte Versionen ihres Elternindex’, sondern eigenständige Charaktere. Das ist wie bei Ihnen: Sie haben die Gene Ihrer Eltern, sind aber trotzdem eine eigenständige Persönlichkeit.

Das setzt sich bei der Detailanalyse fort. Diese 10 Firmen bilden die Spitzengruppe des jeweiligen Index.

Nr EM Gewichtung SRI 5% capped Gewichtung SRI red. Fossil Gewichtung
1 ALIBABA GROUP HLDG ADR 8,50% MEITUAN DIANPING 5,59% MEITUAN DIANPING 5,58%
2 TENCENT HOLDINGS LI (CN) 6,05% NASPERS 5,38% NASPERS 5,37%
3 TAIWAN SEMICONDUCTOR 5,54% TAIWAN SEMICONDUCTOR 4,97% TAIWAN SEMICONDUCTOR 4,96%
4 SAMSUNG ELECTRONICS CO 3,32% HOUSING DEV FINANCE CORP 3,71% HOUSING DEV FINANCE CORP 4,10%
5 MEITUAN DIANPING 1,85% NAVER 3,00% NAVER 3,31%
6 NASPERS 1,26% LG CHEM 2,56% LG CHEM 2,83%
7 RELIANCE INDUSTRIES 1,24% WUXI BIOLOGICS 2,31% WUXI BIOLOGICS 2,55%
8 JD.COM ADR 1,07% HINDUSTAN UNILEVER 2,17% HINDUSTAN UNILEVER 2,39%
9 CHINA CONSTRUCTION BK H 1,03% B3 2,05% B3 2,26%
10 PING AN INSURANCE H 0,96% QATAR NATIONAL BANK 1,97% QATAR NATIONAL BANK 2,18%

Quelle: MSCI Index Constituents

Ich habe alle Unternehmen, die es in die sozial verantwortlichen Indizes geschafft haben fett markiert.

Was fällt auf?

Die beiden SRI-Indizes sind zum größten Teil identisch.
Was mich wundert ist die Tatsache, dass auch beim SRI 5 % capped die ersten beiden Firmen eine Gewichtung von über 5 % haben. Schließlich schreibt MSCI im Factsheet:

„The index is a capped version of the MSCI EM SRI Index that limits company concentration by constraining the maximum weight of a company to 5%.“

Nun gut, dieses Mysterium soll Leser Z. lösen.

Was ich nicht verstehe: Warum sind Alibaba und Tencent nicht sozial verantwortlich, Meituan Dianping und Naspers dagegen schon?

  • Meituan Dianping ist eine chinesische Einkaufsplattform für lokal ansässige Konsumgüter und Einzelhandelsdienstleistungen wie Unterhaltung, Gastronomie, Lieferung, Reisen und andere Dienstleistungen. Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz in Peking und wurde 2010 von Wang Xing gegründet. (Quelle Wikipedia), Web-Site der Firma
  • Naspers ist ein südafrikanischer Medienkonzern mit Hauptsitz in Kapstadt und das größte Medienunternehmen des afrikanischen Kontinents. Das Unternehmen ist in den Bereichen Printmedien, Fernsehen und Internet aktiv. Gegründet 1915, (Quelle Wikipedia), Web-Site der Firma

Wer ein bisschen buddelt stellt fest:

  • Naspers hält große Anteile an Tencent
  • Tencent hat sich vor dem Börsengang von Meituan Dianping massiv als Investor engagiert
  • Das Geld von Ali Baba ist der „Sesam, öffne Dich“ der Branche. Die mischen überall mit.

Was Naspers angeht: Medienkonzerne sind immer staatstreu, sonst sind sie die längste Zeit Konzerne gewesen. Das bedeutet: Naspers hat die Apartheidspolitik jahrzehntelang mitgetragen.
Ist das für einen ethischen Anleger egal? Der Börse ist es egal. Die kennt keine Erbschuld, sondern schaut nur nach vorne. Sollte nicht auch ein ethischer Anleger die Vergangenheit ruhen lassen, oder stellt sich nach wie vor die Frage: Wie viel Apartheid steckt noch immer in Naspers?
Ich weiß es nicht. Aber das sind die Fragen, mit denen man sich als SRI-Anleger herumschlagen muss.

Mir ist jedenfalls nicht klar, warum Samsung nicht sozial verantwortlich ist, Taiwan Semiconductor dagegen schon. Was unterscheidet Ping An Insurance (unsozial) von der Quatar National Bank (sozial)?
Und was einen Groupon-Klon (Meituan Dianping) so sozial macht, dass er mit der Aufnahme in einen SRI-Index geadelt wird, verstehe ich auch nicht. Die Firma beschäftigt tausende von Fahrern, die das ganze Zeug ausliefern. Welchen Status haben die und wie werden die bezahlt? Programmierer und Marketingleute – die muss man gut bezahlen, aber Fahrer sind austauschbar. Das kennen wir ja hier von diesen Essenshelden, die bei Wind und Wetter durch die Gegend strampeln.
Und zu Hindustan Unilever (Unilever ist mit rund 68% Mehrheitseigner) fallen mit spontan „Palmöl“ und „brennende Regenwälder“ ein.
Ich denke, da wird ein Tauchgang in die Tiefen der SRI-Indexdefinition fällig um herauszufinden: Was ist echte Ethik und was sind nur formale Kreuzchen auf einem geduldigen Blatt Papier?

Hier zwei Startpunkte (alles auf englisch):

Was bringt’s? Der Renditevergleich

Emerging Marktes Sri Renditen
Grundsätzlich schwierig. Die SRI-ETFs sind zu jung, um die Lehman-Wirren zu kennen und in den Jahresdaten fehlt der Corona-Crash. Diese Produktgruppe hat noch keinen kompletten Börsenzyklus hinter sich gebracht. Erst dann kann man ein Produkt sinnvoll beurteilen. Dazu kommt, dass die Werte für den SRI red. Fossil via Backtest zurück gerechnet wurden.
Ich habe versucht, dass ein bisschen zusammen zu stückeln. Von 2014 bis 2019: Die vom MSCI in den Factsheets angegebenen Jahresrenditen und dann – direkt von der MSCI-Site End of day index data search die Kursdaten für 2020.

Emerging Marktes Index Sri Kurse 2020
Emerging Marktes Sri Index Kurse Im Corona-Crash

Achtung: Ich habe die Grafiken etwas dramatisiert, damit man den Effekt besser sieht. Die Y-Achse fängt bei 50 an.

EM SRI 5% capped SRI red. Fossil
-37,60 % -42,69 % -42,29 %

Die SRI-Indizes sind noch um rund 5 % mehr eingebrochen, als der klassische Schwellenlandindex. Und damit kommen wir zum K-Moment. K steht für Kostolany und der riet immer zu Geduld. An der Börse wandert das Geld von den Ungeduldigen zu den Geduldigen.

Ein langes Leben ist eine Perlenkette von Vermeidungen.

  • 10 mal nicht überfahren worden
  • 5 mal nicht beim Fensterputzen von der Leiter gefallen
  • ….

So ist es auch beim investieren. Die Langfristrendite ist genau das: Langfristig und abstrakt. Die Krise hat mich aber hier und jetzt im emotionalen Würgegriff. Da macht es schon einen Unterschied, ob der Index „nur“ knapp 38 % verliert oder knapp 43 %. Die Action findet immer an den Rändern statt. Wenn irgendwo in diesen fünf Prozent meine Schmerzgrenze überschritten wird und ich verkaufe, dann war’s das. Mission Altersvorsorge gescheitert.
Ein erfolgreicher Anleger ist in allererster Linie ein Mensch, der Krisen übersteht.
Grün und lila müssen im März durchhalten. Nur so haben sie die Chance, im November wieder aufzuschließen. Das Delta von März bis November nennt man Indexreue und dieses Gefühl kann einen Anleger zu den blödsinnigsten Aktionen verleiten.
Wichtig: Diese Kursverläufe dürfen Sie nicht verallgemeinern. Diese Kursverläufe gelten nur für die Corona-Krise. Es kann sein, dass die SRI-Indizes sich in der nächsten Krise besser halten als der klassische EM-Index.
Das einzige, was wir gelernt haben ist: Ein SRI-Index ist zu größeren Ausschlägen fähig als sein Elternindex.

Der ETF-Vergleich

Name Größe in Mio. € TER Auflagedatum Ausschüttung Replikationsmethode
iShares MSCI EM SRI red. Fossil 989 0,25% 11. Juli 2016 Thesaurierend Vollständige Replikation
UBS MSCI EM SRI 5% Capped 562 0,27% 4. September 2014 Ausschüttend Optimiertes Sampling
einer von 13 EM-ETFs 47 – 2.873 0,14% – 0,65% 18. November 2005 – 6. Februar 2018 thes. & aussch. alle Replikationsmethoden

Moment, Moment, Moment, da stimmt doch was nicht. Wie kann iShares am 11. Juli 2016 einen ETF auf den Markt bringen, der auf einem Index basiert, der am 4. Oktober 2019 gelauncht werden wird?
„Gelaucht werden wird“, das ist Futur II und es prognostiziert eine abgeschlossene Handlung in der Zukunft. Besitzt das iShares-Management einen DeLorean?

Ein Blick in das ETF-Factsheet schafft Klarheit:

„Am 27. November 2019 änderte sich die Benchmark von MSCI EM SRI Index auf MSCI EM SRI Select Reduced Fossil Fuel Index. Die Änderung wird sich in den Benchmark-Daten widerspiegeln.“

Das bedeutet: Streng genommen muss ich meine Indexbetrachtungen für den iShares ETF aus dem normalen SRI-Index und dem SRI red. Fossil zusammenstückeln. Für unsere grundsätzlichen Betrachtungen ist das aber egal. Die zurückgerechneten Daten sind genau genug.
Aber es zeigt sehr schön die Probleme, die man sich als modebewusster Anleger ins Haus holt.
Ansonsten gibt es nicht viel zu berichten

  • Größe: passt
  • Alter: passt
  • Kosten: im Rahmen
  • Anbieter: zwei erfahrene Häuser, die ihr Geschäft verstehen
SRI-ETFs: Kursverlauf und Rendite

Der iShares-Schwellenland-ETF läuft als Benchmark mit. Ich habe ihn ausgewählt, weil er der älteste Schwellenland-ETF ist.

Sri Etf Kurse 2020
Quelle: JustETF
Diesen Kursverlauf kennen Sie vom Index. Absturz im März, dann Indexreue, dann Aufholjagd im November.

Maximaler Zeitraum seit Lauch des SRI red. Fossil

Sri Etf Kurse 2016 - 2020
So, endlich haben wir einen Sieger: Zwar liegt der blaue Standard-EM in Führung, aber der iShares SRI (orange) kann gut mithalten. Der rote UBS (5 % capped) fällt ab. Noch deutlicher wird das im Balkendiagramm:
Renditevergleich Sri Schwellenland Indizes

Ethik und Performance, geht doch!

Wer ist denn nun der Beste?

Na ganz klar: Der iShares MSCI EM SRI red. Fossil ist der Beste!
Leider nein. Gesichert ist nur: Der iShares-ETF war in den letzten vier Jahren und vier Monaten der bessere. Um einen Index wirklich beurteilen zu können, muss man ihm einen Börsenzyklus Zeit geben. Ein Börsenzyklus = zwischen 8 und 15 Jahre.
Die Corona-Krise hat beide ETFs gleich hart erwischt und sie sind auch beide im Gleichtakt wieder nach oben marschiert. Die Indizes sind sich sehr ähnlich. Das kann sich alles noch angleichen. Ich traue mir keinen Juryspruch zu.
Letztlich hat Leser Z. drei Möglichkeiten:

  1. Die ignorante Tour: Ich hab’ fünf Minuten. Ich nehm’ den Brot&Butter-Index. Lasst mich mit dem Rest in Ruhe.
  2. Die harte Tour: Ich stehe zu meinen Idealen, ich will’s genau wissen. Meine Recherche fängt da an, wo der Finanzwesir aufhört.
  3. Ich tanke bei Shell. Da kriege ich für nur 1,1 Cent pro Liter eine CO2-Abgabe und bin das schlechte Gewissen los. So mache ich das auch bei der Altersvorsorge. Was interessieren mich die Details, ich nehme einen der SRI-ETFs und wenn es schiefgeht suche ich mir einen Schuldigen.

Nummer eins hat Z. für sich ausgeschlossen, bleiben ihm die Wege zwei oder drei.

Fazit

Ein irre langer Artikel und megaviel Recherche und das Ergebnis? Ein solides Sowohl-als-auch, das mehr Fragen aufwirft als es beantwortet.

  1. Ja, SRI kann renditemäßig mithalten. Hat aber mangels Alter noch keine belegte Erfolgsgeschichte vorzuweisen.
  2. SRI ist eine Sektorwette. Sind rund 20 % Marktabdeckung wirklich genug? Oder andersherum: Reichen 20 % nicht? Es sind schließlich die ethischen, sozialen und grünen 20 %. Denen gehört die Zukunft. Da kann man auf Gazprom und andere Schmierfinken verzichten.
  3. SRI hat einen reduzierten Sinoanteil. Ist das gut (bessere Diversifikation) oder schlecht (warum auf das Feuer der chinesischen Drachen verzichten)?
  4. 30 % Finanztitel und sozial verantwortlich – geht das zusammen?
  5. Wieso ist SRI so technikfeindlich?

Das ist der Grund, warum ich immer für die simplen marktkapitalisierten 08/15-ETFs bin. Das ist eigentlich keine Geldanlage, sondern eine Wette auf die Zukunftsfähigkeit der Menschheit. Wer Brot&Butter anlegt sagt nur: „Ich bin bullish für meine Zukunft.“
Wer Sektor- oder Regio-ETFs ins Depot aufnimmt landet da, wo die Einzelaktienanleger schon sind. Er braucht einen Investment Case und die ganze Recherche drumherum.
Für mich stimmt da das Preis/Leistungsverhältnis nicht.

  • Preis (Downside): Ich muss schuften wie ein Einzelaktienanleger. Meine Assetklasse kann sich im Wert halbieren.
  • Leistung (Upside): Die Marktrendite. Die ultimative Amazon-Outperformance bleibt mir verwehrt. Ob SRI oder peng, Index bleibt Index und das bedeutet Marktrendite.

Gut, der Einzelaktionär muss sich dem Totalverlustrisiko stellen. Aber dafür hat er auch die Chance auf den nächsten Tenbagger. Diese Chance habe ich als Indexer grundsätzlich nicht. Das gibt die Assetklasse einfach nicht her.
Wäre Indexing eine Quartettkarte, sie würde nicht oft stechen.

  1. Reichtumsfaktor: Na ja. Indexing braucht Jahrzehnte um zu wirken. Und selbst dann reicht’s nur zum „nicht arm sterben“. ETFs haben noch niemanden reich gemacht.
  2. Stressfaktor: hoch. Indexing hat kein eingebautes Risikomanagement. Wenn’s runter geht, dann ungebremst. Muss man aushalten.
  3. Zeitaufwand: minimal. Sticht immer. Es gibt keine Strategie, die dem Indexing hier das Wasser reichen kann.

Was ich nicht verstehe: Wieso versuchen so viele Menschen mit der allergrößten Verbissenheit den einzigen Vorteil der ETF-Strategie zu eliminieren?

Preload Image