Das haben die anderen diese Woche geschrieben (KW 26 / 2020)

Diese Artikel sind mir in dieser Woche in der deutschsprachigen Finanzblogosphäre aufgefallen.

Seriös

Alles Gute zum Geburtstag: Der Finanzrocker wird fünf. Knapp fünf Millionen Downloads in fünf Jahren. Dazu gibt’s Daniels fünf Learnings aus fünf Jahren. Der Finanzwesir gratuliert und sagt: „Weiter so!“

Alles nur Gezocke

Krypto-Zocken

Bitcoins ungewisse Zukunft

„Ein Netzwerk, das seinem Wesen und seiner Idee nach das „Halten“ gegenüber dem „Handeln“ priorisiert, für seine Sicherheit und Aufrechterhaltung jedoch immer mehr auf letzteres angewiesen sein wird.“

Der Finanzwesir sieht hier einen Interessenkonflikt. Doch dann erinnert er sich an Yogi Berra: „In der Theorie sind Theorie und Praxis gleich, in der Prexis nicht.“ Womöglich klappt das doch mit den Bitcoins.

Profis zocken

Diese Mal ist alles anders: Portfoliocheck: Druckenmiller setzt (fast) nur noch auf Digital Leaders. Trotzdem ging (fast) alles schief….
George Soros’ rechte Hand reduzierte seine Aktienquote dramatisch und verpasste die Rallye ab Ende März. Druckenmiller: plus 3 %, S&P: plus 40 %.

„Während die Profis in den letzten Wochen zauderten, haben vor allem Privatanleger den Ist-Zustand mit dem wahrscheinlichen Zustand der Wirtschaft und der Unternehmen in 18 Monaten verglichen – und erkannt, dass es den Unternehmen Ende 2021 viel besser gehen wird als heute. Und die Börse handelt die Zukunft, daher kauft man nicht das Heute, sondern das Übermorgen. So rät es Stanley Druckenmiller und er hat Recht. Und hätte er auf seinen eigenen weisen Ratschlag gehört, würde seine Performance nicht um fast 40 Prozent hinterherhinken.“

Das kann ich nur bestätigen. Meine Umfragen während der Corona-Updates haben immer wieder gezeigt: Finanzwesir-Leser halten durch. Buy&Hold, wie es sich gehört.

Zocken ausleben

Corona verleitet Anfänger zum Zocken.

„Man sollte als Investor keinen Götterkomplex entwickeln. Keiner wird durch das Lesen von ein paar Büchern oder Durcharbeiten von Online-Kursen zum nächsten Warren Buffet. Die Börse lässt sich nicht durch ein paar Privatanleger „überlisten“.“

Zocken verstecken

Wer testiert eigentlich diese ganzen Bilanzen? Egal ob Wirecard oder Lehman – alle Unternehmen hatten bis zum Schluss – oder bis fast ganz zum Schluss – eine testierte Bilanz vorzuweisen. Die testierte Bilanz ist das Ding, das diese ganzen Stockpicker nutzen, um ihre Entscheidung zu rechtfertigen.
Ich habe noch nie einen Stockpicker gesehen, der zweistufig an die Sache herangegangen ist:

  1. Schritt: Hier steht die Firma im Fokus Ausgaben um 10 % runter, Einnahmen um 10% hoch, Bilanz sieht gut aus.
  2. Schritt: Wer hat das testiert? Ah, PWC. Ok, dann mal schauen, wie hoch die Fake-Bilanz-Quote von PWC ist. Daraus wird dann eine Vertrauenskennzahl abgeleitet: Null = total evil, Eins = heilig, lügt nie. Vertrauen = 0,5 bedeutet: Es gibt eine 50/50-Chance , dass die Bilanz stimmt. Aber man nimmt besser an, dass die Ausgaben nur um 5 % gesunken sind und dass die Einnahmen auch nur um 5 % gestiegen sind.

Das macht keiner, denn: Siehe, es steht doch geschriebe. Ja sagt da der lebenserfahrene Finanzwesir: Papier ist geduldig. Grundsätzlich gilt: Eine Zahl, die nicht von einem Vertrauensintervall begleitet wird ist wertlos.
Was den Film angeht: Ziehen Sie 20 % für die übliche öffentlich-rechtliche Attitüde ab. Ansonsten aber solide.

Regulierung

Da ist er wieder: Der Unterschied zwischen rechtens und legal. Wenn einer der größten deutschen Publikumsfonds sich mit Wirecard volsaugt.

Was wird passieren: Die BaFin sieht’s, die BaFin reguliert’s und schon heult die Finanzbranche wieder rum, man würde sie so an der Kandare halten. Der Finanzwesir sagt: No mercy. So ist das eben, wenn man einen Moralkompass hat, der so flexibel ist wie der von Käpt’n Jack Sparrow. Es gibt Gründe für diese Diversifikationsregeln.

Monopole im Fadenkreuz: Werden Alphabet, Amazon, Apple und Facebook zu Kartell-Leichen?
Das Blöde am Kartellrecht: Es ist ein Verbraucherschutzrecht. Nicht das Monopol ist verboten, sondern die Preiserhöhungen. Google und Facebook kosten nichts und Amazon steht für „wird billiger“.
Also muss das Kartellrecht umdefiniert werden. Sonst wird das nichts mit der Aufspaltung der Konzerne. Und wäre das ein Problem für Aktionäre? Michael C. Kissig sagt: nein.

Auf englisch

Never the same. Sehr weiser Artikel über die Wirkung der ganzen Stimulus-Pakete. Egal, wie man sie bewertet: Diese Art des Eingreifens hat 2008 und hat 2019 wieder funktioniert und wird ab jetzt einfach erwartet. Kein Politiker kann es sich leisten nein zu sagen.

„When former chairman Ben Bernanke did it in 2008 it looked reckless. When it worked, it became the baseline assumption of what current chairman Jay Powell could do this year. Now that we know it’s possible, any future Fed leader who doesn’t do it will look reckless.“

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